Onkologie

Tumorstammzellen und Metastasierung

Weltweit sind bösartige Tumorerkrankungen des Kopf-Hals-Bereichs heute die sechsthäufigste Krebserkrankung. Die meisten bösartigen Tumore im Kopf-Hals-Bereich werden erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, was zu einer erheblichen Verschlechterung der Prognose führt. Die klassischen Behandlungsmethoden von Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich (meist Plattenepithelkarzinome) bestehen aus Chirurgie, Chemotherapie und Bestrahlung. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit dieser Bereiche kann eine effiziente Eradikation der Mehrheit proliferierender Zellen eines bösartigen Tumors gewährleisten.

In den letzten Jahren gibt es jedoch vermehrt Hinweise, dass eine Minderheit bösartiger Zellen in tumorösem Gewebe existiert, die von den genannten Therapiemethoden nicht effizient erreicht wird – es handelt sich um resistente Tumorzellen, die über Eigenschaften von somatischen Stammzellen verfügen. So besitzen sie z.B. die stammzelltypischen Eigenschaften der Selbsterneuerung und der Differenzierung in unterschiedliche Zelltypen. Diese sogenannten „Tumorstammzellen“ bergen somit das Potential, Tumorrezidive zu verursachen und werden als der Ursprung metastatischer Absiedlungen diskutiert.
Es gibt Hinweise, dass sich Tumorstammzellen in einer sogenannten „Stammzellnische“ aufhalten, einem Netzwerk aus supportiven Zellen und nicht-zellulärer Mikroumgebung. Es ist möglich, dass Tumorstammzellen durch intrinsische und extrinsische Faktoren „aktiviert“ werden, woraufhin sie ihre „Nische“ verlassen und sich in die periphere Blut- oder Lymphbahn begeben. Anschließend lassen sie sich in einem vom Primärtumor entfernten Organ (z.B. einem Lymphknoten oder der Lunge) nieder, um dort durch ständige Selbsterneuerung und Differenzierung eine metastatische Absiedlung zu bilden.

Eine mögliche Strategie, um Tumorstammzellen spezifisch zu eliminieren stellt damit die Interaktion mit ihrer protektiven Nische und den dort vorherrschenden molekularen Vorgängen dar.

Ein Schwerpunkt der onkologischen Forschung an der Universitäts-HNO-Klinik Mannheim liegt daher in der Charakterisierung von Tumorstammzellen im Kopf-Hals-Bereich mit besonderer Gewichtung der Vorgänge, die bei der Metastasierung eine Rolle spielen. Deren Kenntnis ist von enormer Wichtigkeit, um die Überführung potentieller therapeutischer Interventionen in den klinischen Alltag zu ermöglichen.

Arbeitsgruppe